Pensionierung? Das klingt für viele nach Ankommen. Finanziell ist sie aber oft das Gegenteil: der Moment, in dem ein aufgebautes Vermögen erst zeigen muss, ob es trägt. Das Berufsleben ist abgeschlossen, das Einkommen neu zusammengesetzt, das Haus vielleicht zu gross geworden, die Kinder erwachsen, die Enkelkinder stehen mitten im Leben. Was bleibt, ist nicht weniger Verantwortung. Sie verändert nur ihre Form.
Genau hier setzt das Raiffeisen Vorsorgebarometer 2026 an, das bereits zum neunten Mal und in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW erhoben wurde. Es zeigt eine Schweiz, die wieder zuversichtlicher auf ihre Altersvorsorge blickt: Der Gesamtbarometerwert steigt auf 725 Punkte, nach 697 Punkten im Vorjahr – ein Plus von 28 Punkten. Der Wert bündelt verschiedene Dimensionen wie Vorsorgewissen, Vertrauen, Engagement und ökonomisches Ergebnis. Die Steigerung steht damit für eine insgesamt höhere Zufriedenheit der Schweizer Bevölkerung mit der Altersvorsorge.
Doch für Menschen, die bereits ein Vermögen aufgebaut haben, ist Zuversicht allein noch keine Planung. Die eigentliche Frage lautet: Wie wird daraus eine tragfähige Ordnung für die nächsten 20, 25 oder 30 Jahre?
«Viele unserer Kundinnen und Kunden vertrauen dem Schweizer Dreisäulensystem. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, das eigene Vermögen so zu strukturieren, dass es über Jahrzehnte hinweg flexibel und zukunftsfähig bleibt», sagt Tashi Gumbatshang, Leiter Kompetenzzentrum für Vermögens- und Vorsorgeberatung bei Raiffeisen Schweiz.
Tatsächlich wird der Ruhestand heute anders gelebt als früher. Viele Menschen bleiben länger aktiv, reisen, unterstützen Kinder und Enkelkinder. Was früher wie ein Ausklang wirkte, ist heute ein neuer Lebensabschnitt mit weitreichenden finanziellen Entscheidungen.
Nachdem in den Berufsjahren der Vermögensaufbau im Fokus stand, richtet sich der Blick nun auf neue Prioritäten: Das Vermögen muss verfügbar bleiben, das Einkommen ergänzen, die Kaufkraft sichern, allfällige Pflege- und Gesundheitskosten abfedern und später vielleicht weitergegeben werden. Kurz: Es gilt, das Lebenswerk nicht nur zu sichern, sondern damit auch neue Horizonte zu eröffnen.
Die grösste Sorge der 66- bis 79-Jährigen sind laut Vorsorgebarometer die Gesundheits- und Pflegekosten. Für 58 Prozent steht dieses Thema im Vordergrund. Für vermögende Pensionierte ist das vor allem eine Frage der Planung: Wie viel Liquidität braucht es? Welcher Teil des Vermögens soll weiter investiert bleiben? Welche Rolle spielt das Eigenheim?
Das Vorsorgebarometer zeigt: 60 Prozent der 66- bis 79-Jährigen legen ihr Vermögen an – meist mit Fokus auf Stabilität und Sicherheit. Das ist nachvollziehbar. Wer nicht mehr erwerbstätig ist, denkt anders über Risiken nach. Gleichzeitig bleibt der Anlagehorizont oft erstaunlich lang.
«Wer heute in Pension geht, hat oft noch einen Anlagehorizont von 20 Jahren oder mehr. Eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie bleibt deshalb wichtig – für den eigenen Lebensstandard und oft auch mit Blick auf die nächste Generation», sagt Tashi Gumbatshang.
Sicherheit im Ruhestand bedeutet also, Risiken so zu dosieren, dass Vermögen planbar bleibt – aber nicht an Kaufkraft verliert, nur weil zu viel Kapital untätig auf Konten liegt. Auch beim Kapitalbezug zeigt das Vorsorgebarometer diese Spannung: Rund die Hälfte des bezogenen Pensionskassenguthabens wird investiert, rund 30 Prozent bleiben auf Privat- oder Sparkonten. «Im Ruhestand stellt sich nicht nur die Frage, ob investiert wird, sondern vor allem, wie das Vermögen strukturiert wird, damit es Flexibilität, Sicherheit und Ertragschancen verbindet», so Tashi Gumbatshang.
Vermögen bleibt im Ruhestand zudem selten statisch. Manchmal kommt eine Erbschaft dazu. Manchmal steht beim Eigenheim ein Umbau, eine Weitergabe oder ein Verkauf zur Diskussion. Damit wird Wohneigentum zu einem Teil der Vermögensplanung, ohne dass es dafür nur eine einzige richtige Lösung gibt.
Auch eine Erbschaft verändert oft den Blick auf das eigene Vermögen. Viele 66- bis 79-Jährige investieren einen Teil des geerbten Kapitals in Wertschriften und befassen sich gleichzeitig mit der Regelung ihres Nachlasses.
Damit wird Vorsorge zur Vermögensarchitektur. Es geht um Einkommen und Reserven, Anlagen und Entnahmen, Steuern, Wohnen, Erbvorbezüge, Schenkungen, Pflegekosten und Lebensqualität. Diese Themen greifen ineinander.
Raiffeisen setzt deshalb auf eine ganzheitliche Vermögens- und Vorsorgeberatung im Ruhestand. Gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden wird geklärt, wie Wohnen, Steuern, Vermögensverzehr und Nachlass ineinandergreifen, und welche Mittel kurzfristig verfügbar bleiben sollen. Wie Liquidität, Vermögensverzehr und langfristige Anlagen im Ruhestand zusammenspielen, zeigt die 3-Topf-Strategie im Raiffeisen Vorsorgeguide. Je nach Situation kann auch ein Vermögensverwaltungsmandat mit regelmässigen Auszahlungen helfen, den Vermögensverzehr planbarer zu machen.
Im Zentrum steht dabei nicht ein einzelnes Produkt, sondern die Frage, wie ein aufgebautes Lebenswerk über viele Jahre gesteuert werden kann: Es gilt, Sicherheit im Alltag und Flexibilität bei Entscheidungen zu sichern, die Kaufkraft zu erhalten und eine klare Ordnung für die nächste Generation zu schaffen.
Denn mit der Pensionierung hört Vermögen nicht auf zu arbeiten. Es bekommt nur einen neuen Auftrag.
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