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Anhaltender Optimismus für die Nebenwerte

In der Pandemie konnten viele Small Caps ihre Effizienz deutlich verbessern. Davon werden sie in den kommenden Quartalen profitieren.

Rainer Weihofen

Die Sicht ist wieder besser. Als die Unternehmen vor einem Jahr ihre Geschäftsberichte vorlegten, hatte die Coronapandemie gerade ihren Anfang genommen, und die Firmenleitungen waren wegen der unvorhersehbaren Folgen oft nicht in der Lage, für 2020 Prognosen aufzustellen. Am Ende der diesjährigen Berichtsaison trauen sich die Manager wieder aus der Deckung und formulieren teilweise präzise Erwartungen für das laufende Jahr.

Viele kleinkapitalisierte Unternehmen haben schnell brauchbare Antworten auf die pandemiebedingten Einschränkungen gefunden. Wo immer möglich, wurden Kosten reduziert, Investitionspläne angepasst und die Entwicklung fokussiert. Das hat zu deutlich mehr Effizienz geführt, von der die Unternehmen in den kommenden Quartalen weiter profitieren werden.

Gutes Kostenmanagement

Das bestätigt Philipp Murer von der Bank Reichmuth & Co., Leiter Portfoliomanagement und Manager eines auf Schweizer Nebenwerte spezialisierten Fonds: «Das Kostenmanagement im vergangenen Jahr war sehr gut. Teilweise haben Unternehmen temporär 10% Umsatz eingebüsst, ohne grosse Auswirkungen auf die Gewinnmargen. Sie konnten ihre Lieferverträge jederzeit einhalten. Damit stärkten sie das Vertrauen der Kunden, wodurch Marktanteile dazugewonnen werden konnten.» Ein Beispiel für ein Small Cap, das sich im Krisenjahr erfolgreich gestärkt hat, ist der Gebäudetechniker Zehnder. Nachdem das Unternehmen zu Beginn der Pandemie Produktionsanlagen schliessen musste, reagierte es schnell: Home Office, Schutzmassnahmen für die Mitarbeiter in der Produktion, Einführung digitaler Wege für Kundenkontakt und Service, Kostensenkungen.

«Teilweise haben Unternehmen temporär 10% Umsatz eingebüsst, ohne grosse Auswirkungen auf die Gewinnmargen.»

Das Jahr endete mit einem moderaten Umsatzminus von 4%. Der Betriebsgewinn stieg 20%, und das mittelfristige Margenziel von 8% wurde vorzeitig erreicht. Das Management legte zu Jahresbeginn die Latte höher und definiert als neues Ziel für die Marge eine Spanne von 8 bis 10% bei einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 5%.

Nebenwerte profitieren

Den Small Caps gehörte während der Krise die Gunst der Börse. Während der SMI (SMI 11  201.47 -0.55%) in den vergangenen sechs Monaten 8% und der marktbreite SPI (SXGE 14  392.12 -0.04%) 11% zulegten, setzte sich der SPI Small, der 130 kleinkapitalisierte Titel umfasst, mit einem Plus von mehr als 18% deutlich ab (Stand 17. April 2021). Die Absetzbewegung könnte noch eine Weile anhalten. «Im zweiten Halbjahr 2021 erwarten wir eine spürbare Wachstumsbeschleunigung, wovon in der Schweiz die Nebenwerte überdurchschnittlich profitieren sollten», sagt Murer. «Wie letztes Jahr werden die meisten Firmen Anfang Jahr immer noch von tieferen Aufwendungen für Reisen oder Marketing profitieren können. Zusammen mit den getroffenen Kostensparmassnahmen und höheren Volumen müsste dies in den meisten Fällen für erfreuliche Resultate sorgen», sagt Christian Arnold, Industrieanalyst bei Stifel Schweiz.

«Im zweiten Halbjahr 2021 erwarten wir eine spürbare Wachstumsbeschleunigung, wovon in der Schweiz die Nebenwerte überdurchschnittlich profitieren sollten»

Arnold verweist auf Bossard, die einen Rekordumsatz für das erste Quartal meldete. Der Frühzykliker könne als Indikator für viele Industriezweige dienen, da er in viele verschiedene Bereiche liefere und als gutes Zeichen der Wirtschaftserholung zu werten sei. Zudem habe Pierer Mobility ebenfalls von Rekordumsätzen im ersten Quartal gesprochen und ihre Umsatzprognose für das laufende Jahr erhöht. Diese Nachricht könne als gutes Zeichen für die Konsumentenstimmung erachtet werden.

Richtung Normalität

Philipp Murer teilt den Optimismus für die Nebenwerte: «Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen viele Managementgespräche geführt, und die Erkenntnisse stimmen uns generell weiter positiv für Schweizer Aktien. Die Unternehmen profitieren vom globalen Aufschwung.» Die Zeichen ständen gut, dass das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben Richtung Normalität zurückkehren werde. Mit der extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik blieben sowohl Wirtschaft wie auch die Finanzmärkte gut unterstützt. Die Zeitung «Finanz und Wirtschaft» hat ihre Auswahl der Top fünf unter den Small Caps an zwei Positionen geändert.

Huber+Suhner

Für 2021 gibt sich Huber+Suhner zurückhaltend und prognostiziert nur eine Umsatzzunahme im mittleren einstelligen Prozentbereich, nach einem letztjährigen Rückgang um 11%. Doch das scheint übervorsichtig. Denn das Unternehmen ist in vielen Zukunftsmärkten aktiv, unter anderem in der Aufrüstung für 5G, in der Verkabelung von Rechenzentren oder in der E-Mobilität. Hier ist weiterhin mit hohem Wachstum zu rechnen. Eine neue, einfachere Organisationsstruktur sollte zudem effizienzsteigernd wirken, und die Schliessung der Betriebsstätte in Brasilien wirkt kostenentlastend. Gut möglich deshalb, dass Huber+Suhner klar besser abschneidet als prognostiziert. Da die Aktien kaum höher notieren als letzten Sommer und das um die Nettoliquidität bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 21 klar unter dem Durchschnittsniveau der Mid- und Small-Cap-Aktien (rund 30) liegt, besteht Aufholpotenzial.

BKW

BKW, drittgrösster Stromversorger der Schweiz, haben sich in der Krise als lukrative und verlässliche Investition bewährt. Die Gesamtrendite betrug im Coronajahr 42%. Zudem kommunizierte das Unternehmen im Ausblick stets ein Ebit-Zielband, obwohl die Pandemie die Visibilität beeinträchtigte, das Dienstleistungsgeschäft behinderte und die Stromnachfrage zeitweise reduzierte. Stabilisierend wirkt das Geschäftsmodell mit den drei Säulen Energie, Netze und Dienstleistungen. Letztere wirkten in den vergangenen Jahren als Wachstumsmotor. BKW hat angekündigt, das Expansionstempo in diesem Bereich etwas zu drosseln und stattdessen die Konsolidierung voranzutreiben. Davon dürfte die Marge profitieren, die im mittlerweile grössten Segment der Dienstleistungen dem klassischen Stromgeschäft hinterherhinkt.

Interroll

Die Spezialistin für Lagerlogistik ist sehr gut positioniert. Ihre Förderrollen, Antriebssysteme oder Sortieranlagen gelten in der Branche als technisch führend. Die Kunden kommen aus strukturell wachsenden Märkten wie dem Onlinehandel oder den Kurier- und Paketdiensten. Zudem ist der Nachholbedarf bei der Optimierung von Lagern in vielen Branchen gross. Das Unternehmen ist weltweit tätig und verdoppelt wegen der hohen Nachfrage bis 2022 seine Kapazitäten. Im vergangenen Jahr fiel der Umsatz pandemiebedingt zwar zurück, doch eine deutlich verbesserte Effizienz sorgte für einen regelrechten Gewinnsprung um mehr als ein Viertel. Das Management hält das Unternehmen mit einer weitsichtigen Strategie seit vielen Jahren auf der Erfolgsspur, was sich in einem hohem Kurs-Gewinn-Verhältnis spiegelt. Ein Blick in die Historie zeigt, dass sich ein Engagement beim Technologieführer mit etwas Geduld immer gelohnt hat.

Swissquote

Die auf Trading spezialisierte Onlinebank Swissquote hat einen Lauf. Die hohe Handelslust in der Krise hat ihr massenhaft Neukunden und Neugelder beschert und zu einer Gewinnverdoppelung geführt. Der Kursverlauf spiegelt das. Und die Rallye muss noch nicht vorbei sein. Bislang haben sich die Valoren nicht von den Fundamentaldaten entkoppelt, wie das für 2021 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 zeigt. Die Bewertung ist zwar höher als auch schon, angesichts des erklärten Ziels, bis 2024 den Vorsteuergewinn erneut zu verdoppeln, ist sie aber moderat. Akquiriert Swissquote weitere Konkurrenten – und die Chancen stehen mittelfristig gut –, beschleunigt das die Entwicklung, wie die Vergangenheit belegt. Die wieder anziehenden US-Zinsen wirken sich zudem günstig auf den Zinsertrag aus. Die Aktien haben weiteres Potenzial.

SoftwareOne

Die weltweit grösste Vertreiberin von Microsoft-Produkten, SoftwareOne, hat beim Jahresergebnis enttäuscht. Obschon der Umsatz während des Coronajahrs nicht zurückging und die Profitabilität gehalten werden konnte, hat sich der Markt viel mehr erhofft und schickte die Valoren fast ein Fünftel in den Keller. Das war eine Überreaktion. Der Absatz mit Cloud-Lösungen ist nicht wie erhofft abgehoben, doch stabile Service-Umsätze stützen auch in volatilen Zeiten. Zudem wurde der deutsche Konkurrent Comparex erfolgreich integriert und dürfte fortan von Synergien profitieren. Dass das Profitabilitätsziel nicht mehr absolut ist, sondern an die Umsatzentwicklung gekoppelt wird, ist kommunikativ ungeschickt, ändert aber nichts daran, dass der Gewinn stärker steigen soll als der Umsatz. Am Business Case, dass SoftwareOne ideal positioniert ist, um von der fortschreitenden Migration in die Cloud zu profitieren, ändert sich nichts.

Nicht mehr dabei ist Bobst. Die langfristige Empfehlung für den Hersteller von Verpackungsmaschinen bleibt wegen der Innovationskraft und des breiten Angebots zwar bei «Kaufen». Doch zurzeit sind die Innovationen am Markt nicht erfolgreich, und das Ergebnis erodiert. Für Aktienkäufe sollten niedrigere Kurse abgewartet werden. Stadler, die Herstellerin von Schienenfahrzeugen, ist aus der Auswahl gefallen, weil die Titel seit Jahresbeginn kräftig an Wert gewonnen haben und nicht länger günstig sind. Hinzugekommen ist Huber+Suhner, die Komponenten für die elektrische und optische Verbindungstechnik herstellt und in immer grösserem Umfang die IT-Branchen beliefert. Die Perspektiven sind gut, die Unternehmensführung ist langfristig orientiert und die Bewertung ist moderat. Ebenfalls neu unter den Top fünf ist die Onlinebank Swissquote, die in der Krise unzählige neue Kunden gewinnen konnte und sich als Gewinnerin profilierte. Die Bank hat für die kommenden Jahre ambitionierte Ziele formuliert, und die Aktien haben noch viel Luft nach oben.

Erschienen in: Finanz und Wirtschaft Nr. 30, 17. April 2021

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