Unterwegs im Auto: Das gibt auch vielen Seniorinnen und Senioren ein Stück Freiheit. Die Sicherheit sollte aber immer vorgehen.
Unterwegs im Auto: Das gibt auch vielen Seniorinnen und Senioren ein Stück Freiheit. Die Sicherheit sollte aber immer vorgehen. (Adobe Stock)
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Sicher von A nach B rollen

Im motorisierten Verkehr sind immer mehr Betagte unterwegs. Viele sehen im Autofahren die ultimative Freiheit, die sie nicht gerne aufgeben. Dabei gilt es einige Regeln zu beachten, damit die Autofahrt für alle Beteiligten sicher ist.

Von Stephanie Weiss

Elisabeth W.* geniesst das Leben in vollen Zügen. Trotz ihren 85 Jahren ist die unternehmenslustige Rentnerin noch fit und aktiv. Während mehreren Monaten des Jahres lebt sie in ihrem Ferienhaus in Südfrankreich.

Dort fährt sie mit dem Auto zum Einkaufen, Spazieren oder um Leute zu treffen. «Hier kenne ich jede Kurve und jeden Stein auf der Strasse − da fühle ich mich sicher.» Diese Freiheit geniesst sie, gleichzeitig weiss sie auch, dass ohne Auto das Leben im Süden komplizierter wäre, da es keine öffentlichen Verkehrsmittel in der Nähe gibt. In der Schweiz verzichtet sie mittlerweile aufs Auto, da ihr der Verkehr in der Stadt zu stressig ist.

Diesen Frühling erhielt sie vom Kanton die Aufforderung, eine Kontrolluntersuchung vornehmen zu lassen. Das Prozedere kannte sie schon, denn seit ihrem 75. Geburtstag muss sie diesen Nachweis alle zwei Jahre erbringen. Da ihr Hausarzt ihre medizinische Vorgeschichte gut kennt, handelt es sich bei dem Check um eine kurze Sache. «Das letzte Mal attestierte er bei mir eine Sehkraft von 100 Prozent», berichtet die Seniorin stolz.

Sicher Autofahren − die vier wichtigsten Tipps der BFU

  • Nur Autofahren, wenn Sie sich wohlfühlen

  • Auf einfachen und bekannten Strecken fahren Sie sicherer

  • Regelmässig den Fahrsicherheits-Check machen

  • Sie sind unsicher? Fahrberatung in Anspruch nehmen

Weitere Tipps: bfu.ch

Fahrsicherheitscheck BFU: fahrsicherheitscheck.ch

Senioren-Fahrkurs TCS: tcs.ch

Fahrberatung des SFV: l-drive.ch

In Frankreich lässt sie das Auto regelmässig von ihrer Garage kontrollieren. «Sobald ich mich beim Autofahren nicht mehr sicher fühle, werde ich den Führerschein freiwillig abgeben.» Sie ist sich bewusst, dass ihr Bewegungsradius damit eingeschränkt wird, möchte aber sich und andere keineswegs gefährden.

Sicher unterwegs

Im Alter nehmen sensorische, kognitive und motorische Fähigkeiten ab. Oft führt dies zu Problemen mit dem Dämmerungssehen, der Aufmerksamkeit, Reaktionszeit oder Pedalbedienung, was die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen kann. Zudem erhöhen einige Krankheiten das Unfallrisiko. Ein erhöhtes Risiko geht etwa vom grauen Star, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe und Demenz aus. Gemäss dem Bericht «Senioren als Personenwagen-Lenkende» der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) macht das Unfallgeschehen der PW-lenkenden Senioren einen kleinen, aber nicht zu vernachlässigenden Teil aller schweren Verkehrsunfälle aus. Hinsichtlich der Verkehrs­toten ist die Selbst- und Fremdgefährdung bei autofahrenden Senioren etwa gleich gross. Die Statistik zeigt jedoch, dass in Bezug auf die Schwerverletzten die Fremdgefährdung bei Senioren höher ist als die Selbstgefährdung. Das Unfallrisiko pro gefahrenen Kilometer nimmt bei einer Kombination von Alter 75+ und geringer Fahrleistung zu.

«Sobald ich mich beim Autofahren nicht mehr sicher fühle, werde ich den Führerschein freiwillig abgeben.»

Um herauszufinden, ob man noch fahrtauglich ist, gibt es mehrere Möglichkeiten. «Wichtig für das sichere Lenken eines Fahrzeugs sind motorische, sensorische und kognitive Fähigkeiten. Konkret heisst das beispielsweise, dass man fürs Fahren kräftig und beweglich genug ist, dass man genügend gut sieht und die Informationen im Strassenverkehr richtig und schnell genug einschätzen kann», bringt es Karin Huwiler, wissenschaftliche Mitarbeiterin Forschung Strassenverkehr bei der BFU auf den Punkt. In der Schweiz müssen sich über 75-Jährige mit gültigem Führerausweis alle zwei Jahre medizinisch untersuchen lassen, um die gesundheitlichen Anforderungen für das Autofahren zu überprüfen.

Der Hausarzt meldet seine Beurteilung in jedem Fall dem Strassenverkehrsamt weiter. Kommt die Beurteilung zum Schluss, dass die Anforderungen nicht erfüllt sind, wird der betroffenen Person in der Regel der Führerausweis entzogen. Sollte der Arzt ausserhalb dieser obligatorischen Untersuchungen feststellen, dass die Fahrtauglichkeit nicht mehr gegeben ist, kann er dies dem Strassenverkehrsamt melden, muss aber nicht. Anschliessend wird das Strassenverkehrsamt weitere Abklärungen einleiten und allenfalls einen Entzug anordnen.

Rechtzeitig Aussteigen

Wer seine Fahrtauglichkeit selber einschätzen will, kann den Fahrsicherheitscheck der BFU machen. Dieser einfache Test hilft, die für das Fahren wichtigen Themen einzuschätzen und zeigt allfällige Einschränkungen an. Für Fahrwillige gibts zudem weitere Angebote. So können etwa begleitete Fahrten oder Fahrberatungen helfen, individuelle Schwierigkeiten und Verbesserungspotenzial beim Fahren aufzuzeigen. Der TCS bietet Senioren-Fahrkurse an. Dabei lernen die Teilnehmenden mehr zu den grundlegenden Faktoren, die das Fahrverhalten beeinflussen und werden über gesetzliche Neuerungen aufgeklärt. Ferner bietet der Schweizerische Fahrlehrerverband Fahrberatungen durch spezialisierte Fahrlehrer an.

Zeit zum Aufhören ist sicher spätestens dann, wenn die Voraussetzungen für sicheres Fahren nicht mehr erfüllt werden. «Wann dies der Fall ist, ist nicht immer einfach zu beurteilen. Stressgefühle beim Autofahren oder Rückmeldungen von Angehörigen können Hinweise geben», so Huwiler. Das Aufhören fällt leichter, wenn man sich schon früh gedanklich mit einem autofreien Leben befasst.

* Name der Redaktion bekannt

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